Betrüger sind zum Jahresbeginn besonders aktiv, um Menschen, die nach Liebe suchen, zu täuschen. Sie bauen Vertrauen zu ihren Opfern auf und erfinden Geschichten, die ihrer Betrugsstrategie dienen. Gerade die Zeit vor dem Valentinstag, in der viele Menschen nach Kontakten und Dates suchen, ist für Kriminelle attraktiv. Sie führen ihre Opfer gezielt hinters Licht, um an ihr Geld zu kommen. Wenn du diesen Februar also online daten möchtest, solltest du wissen, wie Liebesbetrug funktioniert, um dich zu schützen.
Hochsaison für Liebesbetrug im Januar
Der Januar ist der geschäftigste Monat für Diskussionen über Liebesbetrug im Dark Web und in Telegram-Kanälen. Dieses Timing ist kein Zufall – Angreifer bereiten sich frühzeitig darauf vor, den massiven Anstieg der Nutzung von Dating-Apps auszunutzen, der zu Beginn des Jahres auftritt.
Daten von Tinder bestätigen diese jährliche „Peak Dating Season“. Die Plattform berichtet, dass zwischen dem 1. Januar und dem 14. Februar weltweit Millionen mehr Nachrichten verschickt werden als im Rest des Jahres. Die Aktivität erreicht ihren Höhepunkt am ersten Sonntag des Jahres, bekannt als Dating Sunday.1
Für Betrüger bietet dieser Anstieg die perfekte Tarnung. Die Analyse von Dark-Web-Foren und Telegram-Kanälen zeigt, dass kriminelle Aktivitäten diesen Trend widerspiegeln, wobei der Austausch im Zusammenhang mit Dating im Januar seinen höchsten Stand erreicht.
Der Grund ist strategisch – Vertrauen aufzubauen, braucht Zeit. Betrüger bitten nicht sofort um Geld. Sie wenden häufig Wochen auf, ein Vertrauensverhältnis zu ihren Opfern aufzubauen und eine Beziehung vorzutäuschen.
Indem sie im Januar Kontakt aufnehmen, timen sie ihre finanziellen Forderungen – wie etwa Bitten um Geld für einen Notfall oder eine Reise – so, dass sie mit dem Valentinstag zusammenfallen.
Es handelt sich um organisiertes Verbrechen, keine Amateurarbeit
Gängige Annahmen sehen Liebesbetrug meistens als die Taten einzelner Personen, aber die Daten zeigen, dass auch organisierte Gruppen hinter solchen Scams stecken.
„Liebesbetrügereien werden nicht mehr nur von Einzelpersonen mit Fake-Profilen betrieben – sie werden zunehmend auch von strukturierten, organisierten Operationen vorangetrieben“, erklärt Mantas Sabeckis, ein Senior Threat Intelligence Researcher bei NordVPN.
Stell dir diese Betrugsoperationen wie Fließbänder in Unternehmen vor. Anstatt dass eine Person alles macht, teilen sich Betrüger die Arbeit, um effizienter zu sein. Während sich ein Team darauf konzentriert, potenzielle Opfer zu finden, baut ein anderes Fake-Identitäten auf, und wieder eine andere Gruppe kümmert sich um Zahlungseingänge.
Liebesbetrüger lauern auf Social Media, nicht nur auf Dating-Apps
Liebesbetrüger sind nicht nur auf Dating-Apps unterwegs – sie sind auch in beliebten sozialen Netzwerken aktiv. Das heißt aber nicht, dass diese Plattformen unsicher sind. Die Kriminellen nutzen die Beliebtheit der Plattform und somit eine riesige Auswahl an potenziellen Opfern aus.
NordVPN-Erkenntnisse zeigen, dass Kriminelle Snapchat und Instagram bevorzugen. Private Nachrichten- und Content-Sharing-Funktionen ermöglichen es Betrügern, Intimität aufzubauen, gestohlene Fotos zu teilen oder gefährliche Links in einer weniger überwachten Umgebung zu versenden. Scammer versuchen auch, dich auf diese Apps zu locken, um den Sicherheitsüberprüfungen der Dating-Plattformen zu entgehen.
OnlyFans gehört ebenfalls zu den drei meistdiskutierten Plattformen in Untergrund-Communitys. Obwohl es kein traditionelles soziales Netzwerk ist, macht es der direkte Link zu bezahltem Erwachsenen-Content zu einem Hauptziel für Content-Weiterverkaufs-Systeme.
Andere Plattformen spielen unterstützende Rollen. Zum Beispiel bieten Facebook und Reddit wahrscheinlich Community-Zugang, was es Scammern ermöglicht, in bestimmten Gruppen nach Zielen zu suchen. Ähnlich könnten TikTok und YouTube als Traffic-Funnel dienen, wo Betrüger Video-Content nutzen, um Zuschauer auf bösartige Websites zu locken.
Beim Ausnutzen von Dating-Apps legen Betrüger Wert auf die Reichweite. Tinder und Match sind weiterhin Hauptziele, da die große Nutzerzahl es Kriminellen leicht macht, neue Personen zu erreichen. Kleinere Apps wie Plenty of Fish, Bumble und OkCupid tauchen seltener in den Daten auf, wahrscheinlich weil sie weniger Nutzer haben.
Der Preis der falschen Liebe
Laut Tagesspiegel gab es allein in Berlin 433 Fälle von Liebesbetrug, die sich auf einen Schaden von 5,6 Millionen Euro summierten. Dabei wird davon ausgegangen, dass viele Oper die Tat aus Scham nicht melden. Ein Blick auf weitere Zahlen aus den USA zeigt, wie gravierend der Romance Scam ist. Die finanziellen Schäden durch Dating-Betrug sind beträchtlich. Allein im Jahr 2025 erhielt die Federal Trade Commission (FTC) 55.604 Meldungen über Liebesbetrug. Der finanzielle Gesamtschaden belief sich auf 1,16 Milliarden Dollar.2
Das Problem ist auch weit verbreitet. Eine Umfrage des Content-Moderation-Unternehmens Besedo ergab, dass 72,2 % der US-Dating-App-Nutzer Betrug erlebten, der von gefälschten Profilen bis hin zu Gelddiebstahl reichte. Fast 68 % der Nutzer gaben an, auf gefälschte Profile gestoßen zu sein.3
Während Männer (74,4 %) etwas häufiger auf Betrug stießen als Frauen (70,1 %), unterschieden sich die Taktiken. Frauen berichteten häufiger von Catfishing und Liebesbetrugsmaschen. Männer hingegen wurden eher mit Finanzbetrug oder gefälschten Profilen konfrontiert, die externe Links bewarben.3
So erkennst du einen Liebesbetrug
Online-Dating-Betrügereien beginnen selten mit einer direkten Geldforderung. Sie folgen typischerweise einem kalkulierten Prozess, der darauf abzielt, Vertrauen aufzubauen, bevor die Falle zuschnappt.
- 1.Plattformwechsel. Betrüger versuchen, dich von der Dating-App wegzulocken, um Sicherheitsalgorithmen zu umgehen. Sei vorsichtig, wenn ein neues Match darauf besteht, sofort zu WhatsApp, Google Chat oder Telegram zu wechseln. Bleib auf der ursprünglichen Plattform, um von ihren integrierten Schutzfunktionen zu profitieren.
- 2.Gefälschte „falsche Nummer“ Nachricht. Eine gängige Taktik von Betrügern ist eine Textnachricht, die „aus Versehen“ geschickt wurde, gefolgt von einem höflichen Gespräch, das sich zu einer Freundschaft entwickelt. Wenn du eine Nachricht von einem Fremden erhältst, der behauptet, die „falsche Nummer“ zu haben, ignoriere sie. Es ist wahrscheinlich ein Skript, das darauf ausgelegt ist, dich zu ködern.
- 3.Finanzieller Notfall. Sobald Vertrauen aufgebaut ist, beginnen die Forderungen. Klassische Taktiken sind medizinische Notfälle, Krypto-Investmenttipps oder Erpressung mit intimen Fotos. Obwohl Betrüger versuchen, neue Methoden zu finden, bleiben diese Maschen effektiv und weit verbreitet.
- 4.Technische Manipulation. Trau nicht dem, was du auf dem Bildschirm siehst. Betrüger können ihre Standortdaten auf Apps wie Tinder manipulieren, um eine falsche Geschichte über ihren Aufenthalt in deiner Stadt zu untermauern. Nur weil ihr Entfernungsprofil korrekt aussieht, heißt das nicht, dass es echt ist.
- 5.Unschuldige Einladung. Betrügereien sind anpassungsfähig, sodass selbst technisch versierte Menschen getäuscht werden können. Es gibt möglicherweise keine direkte Geldforderung. Stattdessen schlägt ein Match möglicherweise vor, dass du ein Ticket für eine Veranstaltung kaufst, die sie auch besuchen werden. Das klingt vernünftig – sie bitten dich nicht, für sie zu bezahlen – aber der Ticket-Link führt zu einer betrügerischen Website, die deine Kartendaten stiehlt.
So schützt du dich vor Liebesbetrug
Du brauchst deine Apps nicht zu löschen, um auf sichere Weise die Liebe zu finden, aber du musst wachsam bleiben. Befolge diese Schritte, um deine Daten und dein Geld beim Online-Dating zu schützen.
- Nutze die umgekehrte Bildersuche. Verwende Google Bilder, um zu prüfen, ob das Foto deines Matches zu einem Model, einem Influencer oder einer Stock-Image-Seite gehört.
- Achte auf Anzeichen von Fälschung. Sei skeptisch bei Telefonaten oder Sprachnachrichten, die unnatürlich klingen. Betrüger verwenden jetzt KI-Agenten, die Anrufe abhören und Echtzeit-Antworten in der Persona einer bestimmten Figur oder Berühmtheit generieren.
- Überweise kein Geld. Schicke niemals Geld, Geschenkkarten oder Kryptowährung an jemanden, den du noch nicht persönlich getroffen hast, egal wie tragisch oder dringend seine Geschichte erscheint.
Halte diesen Valentinstag dein Herz offen, aber auch deine Augen. Wenn eine Romanze zu schön erscheint, um wahr zu sein, wurde sie wahrscheinlich von einem Betrüger gescriptet.
Methodik
Die Experten sammelten Daten mithilfe eines benutzerdefinierten Skripts, das sowohl Dark-Web- als auch Telegram-Gruppeninhalte abfragte, die von NordStellar gesammelt wurden. Die Studie umfasst den Zeitraum von 2021 bis 2025. Die Abfragen zielten auf Themen des Liebesbetrug (Romance Scam) und angrenzende Themen wie Catfishing, Dating-Profile und Sextortion ab.
Das Team entfernte Duplikate, um exakte Übereinstimmungen zu eliminieren, und filterte die Ergebnisse mithilfe einer KI-gestützten Überprüfung auf thematische Relevanz. Anschließend überprüften und kategorisierten die Experten die verbleibenden Elemente in Themen, einschließlich Taktiken, Plattformen und Zahlungsmethoden. Eine quantitative Analyse unterstützte die Erstellung von Diagrammen und Trendvergleichen.
References
1 Tinder (2023, December 21). Peak dating season is coming, and here’s how you can make the most of it, according to Tinder. Tinder Newsroom. https://uk.tinderpressroom.com/2023-12-21-Peak-dating-season-is-coming,-and-heres-how-you-can-make-the-most-of-it,-according-to-Tinder
2 Federal Trade Commission (2025, December 11). FTC Consumer Sentinel Network. Tableau Public. https://public.tableau.com/app/profile/federal.trade.commission/viz/shared/4WS8HTYQ6
3 Strandell, J. (2025, February 25). Report: How dating app chats are driving users away. Besedo. https://besedo.com/blog/report-how-dating-app-chats-are-driving-users-away/
Hinweis: NordVPN wird von keiner der genannten Marken unterstützt, gepflegt, gesponsert oder ist mit diesen verbunden. Markenhinweise dienen ausschließlich der Berichterstattung über Plattformen, die am häufigsten im Zusammenhang mit Romance Scams diskutiert werden.